Die Badhütte
Offiziell eröffnet wurde die Badhütte am Sonntag, 22. Juni 1924. Gefeiert wurde die Inbetriebnahme eines Bauwerks, das innerhalb von knapp zwei Jahren Planungs- und Bauzeit aus dem Bodensee wuchs. Die Badhütte ersetzte die alten Badanstalten, die während Jahrzehnten ein wichtiger Ort für viele Menschen aus Rorschach und der Region gewesen waren. Denn zu jener Zeit verfügten nur wenige Haushalte über ein eigenes Bad. In den Badanstalten konnten die Menschen in den Kabinen, ausgestattet mit Badewannen, für wenig Geld den Schmutz des Alltags abwaschen. Die Hygiene stand damit am Ursprung der Badanstalten. Erst später folgte mit dem Aufkommen der Sommerfrische das Vergnügen, sich auf den Planken über dem Wasser zu sonnen und im See zu schwimmen.
Bis im Spätsommer 1966 herrschte in der Badhütte – wie auch in anderen Badanstalten am See – noch die Geschlechtertrennung, mit einem Frauen- und einem Männerbad. Erst ein Gewittersturm führte in der Badhütte zur Aufhebung der Geschlechtertrennung. Das Nichtschwimmerbecken im Männerbad wurde durch die aufgewühlte See zerstört und aus Kostengründen nicht mehr ersetzt. Was die damalige Badleiterin Anny Goertz bewog, die Trennwände zwischen den beiden Bädern von ihrem Badmeister Albert Bellorti entfernen zu lassen.
Alle, die am Samstag, 22. Juni 2024, an der Feier «100 Jahre Badhütte» dabei waren, hätten sich nicht ausdenken können, was in der Nacht (um 03.30 Uhr) zum 23. Dezember 2024 geschah. Die Badhütte brannte ab. Die Feuerwehr Rorschach-Rorschacherberg konnte den historischen Holzbau nicht mehr retten. Die Brandursache ist nach wie vor nicht bekannt.
In seinem ersten Interview am frühen Morgen auf dem Brandplatz betonte der Stadtpräsident:
«Wir bauen die Badhütte wieder auf!»
Robert Raths